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Das Wort im Bild – das Bild im Wort: Kunst und Lyrik in Bad Grund

Ausstellung und Lesungen im Gemeindehaus eröffneten neue Perspektiven auf Wahrnehmung, Emotionen und menschliche Ausdruckskraft.

Organisiert von der Kulturgruppe der ZukunftsBergstadt begegneten sich im Gemeindehaus am Eichelberg an zwei Tagen unterschiedliche Kunstformen, die auf den ersten Blick verschieden erscheinen, jedoch aus derselben Quelle schöpfen: der menschlichen Vorstellungskraft.

Unter dem Titel „Das Wort im Bild – das Bild im Wort“ präsentierte die Künstlerin Léa P. Lange ihre Bilder und Skulpturen, begleitet von Lesungen ihrer eigenen Texten, wie auch von den Autoren Rüdiger Aboreas und Cliff Middleton.

Auch der Garten hinter dem Gemeindehaus wurde in die Ausstellung einbezogen. Zwischen Kunstwerken unter freiem Himmel fanden die Lesungen statt, die den Dialog zwischen Bild und Sprache auf besondere Weise erlebbar machten.

Die abstrakten Werke von Léa P. Lange wollten dabei bewusst nicht erklären oder vorgefertigte Antworten liefern. Vielmehr öffneten sie Räume für eigene Gedanken, Empfindungen und Interpretationen. Das Bild spreche ohne Grammatik, der Text ohne Farbe, und dennoch erzählten beide von Wahrnehmung, Erinnerung, Sehnsucht, Bewegung und Stille. Zwischen den Werken und den gelesenen Texten entstand ein freier Dialog – mal harmonisch, mal spannungsvoll, oft überraschend. Für viele Besucher öffnete sich dabei vielleicht sogar auch ein „dritter Raum“, in dem sich Wort und Bild gegenseitig ergänzten und neue Assoziationen entstehen ließen.

Wie die Künstlerin während der Veranstaltung erklärte, seien Malerei, Wort und auch Ton Ausdruck ihrer inneren Momente und Gefühle. Einen bestimmten Stil verfolge sie dabei bewusst nicht. Ihre Arbeiten seien vor allem emotional geprägt und beschäftigten sich häufig mit dem Frausein, dem Körper und dessen Veränderungen in den unterschiedlichen Lebensphasen.

„Jede Frau sollte Frau bleiben dürfen, sich auch so fühlen und dies in jedem Lebensalter und Lebensabschnitt vertreten können“, betonte Lange. Der weibliche Körper sei für sie schön und stets darstellenswert. Dabei unterscheide sich die Arbeitsweise je nach Material deutlich: Während bei der Malerei der Pinsel als vermittelndes Werkzeug zwischen Künstlerin und Leinwand stehe, entstehe bei der Arbeit mit Ton ein wesentlich direkterer Zugang zum Werk. Unter vielen Bildern fanden die Besucher kleine Begleittexte. Diese seien jedoch keine Erklärungen, sondern Denkanstöße, sagte die Künstlerin. Interessant sei dabei auch die eigene Entwicklung: Vor fünf Jahren hätte sie zu manchen Werken vermutlich noch etwas ganz anderes geschrieben. Ihre Impulse seien bewusst leise gehalten und sollten Raum für eigene Gedanken lassen.

Auch Gegensätze wie Licht und Schatten, Freude und Trauer betrachtet Léa P. Lange nicht als Widersprüche. Für sie gehörten diese Pole untrennbar zusammen und bildeten erst gemeinsam ein harmonisches Ganzes. Die Ausstellung machte deutlich, wie eng Bildende Kunst und Literatur miteinander verbunden sein können. Beide Ausdrucksformen eröffneten den Besuchern individuelle Zugänge zu Gefühlen, Erinnerungen und Gedanken – und luden dazu ein, die eigene Wahrnehmung neu zu entdecken oder auch zu überdenken. 

 

Text und Bilder: Herma Niemann