Leicht war es nicht – das stellen die beiden Vorstände der Bürgergenossenschaft Bad Grund, Dagmar Thomas und Nicolai Simon-Hallensleben, gleich zu Beginn klar. Zwei Monate dauerte die umfangreiche Sanierung der Fachwerkfassade am historischen Gebäude und Genossenschaftshaus am Markt, und insgesamt arbeiteten bis zu 20 Helferinnen und Helfer - teilweise 7-8 gleichzeitig auf der Baustelle. Im Vorfeld hatte die Genossenschaft eine bautechnische Expertise aus Wernigerode eingeholt, nachdem sich zahlreiche Risse in den Fachwerkbalken gezeigt hatten.
Risse, maroder Putz und ein Problem-Gefach über dem großen Schaufenster haben in der Vergangenheit das historische Gebäude gegenüber Witterungseinflüssen angreifbar gemacht.
„Die alten Farbreste mussten erst mal komplett runter“, berichten Thomas und Simon-Hallensleben. Und es war schnell klar gewesen, dass es für die Bürgergenossenschaft die günstigste Lösung war, diese Arbeiten in Eigenleistung zu stemmen. Besonders kritisch waren die Gefache, diese seien der Witterung inzwischen fast ungeschützt ausgeliefert gewesen.
Das größte Sorgenkind jedoch sei das über fünf Meter breite Gefach oberhalb des großen Schaufensters gewesen. Das Gefach war so geschädigt, dass es mit Lehmstein vollständig neu geschlossen werden musste. Hier erwies sich unter anderem auch die Hilfe von Karsten Krüger (ehemals Erbengemeinschaft des Hauses) aus Berlin als Glücksfall. Er kam extra angereist und unterstützte bei den Arbeiten. Mit dabei war auch ehrenamtlich der Maurer Matthias Bock. So konnte das Gefach fachgerecht wiederhergestellt werden. Zu der Sanierung gehörte auch die Erneuerung von drei Deckenbalken im Dachboden.
Glücklicherweise stellte auch der Tischler Klaus Heberle unentgeltlich einen Mitarbeiter ab, der die Balken untersuchte, die Risse vermaß und innerhalb einiger Tagen die notwendigen
Ausbesserungsarbeiten durchführte. Dabei wurde großer Wert auf fachgerechtes Arbeiten gelegt: Insbesondere die waagerechten Risse in den Balken wurden ausgefüllt, mit passgenauen Holzstücken, die
angefertigt wurden. Die senkrechten wurden nur dort ausgebessert, wo es nötig war.
Zwei Baustellen gleichzeitig
„Es war eine echte Zitterpartie“, sagen Thomas und Simon-Hallensleben. Neben der Fassadensanierung gab es nämlich eine zweite Baustelle: Hinter dem Haus musste der Schwellbalken erneuert werden.
Dazu kam noch parallel die Ausschachtung und Wiederherstellung der Abwasser- und Regenrohre durch eine Fachfirma. Ebenso musste der hinten der Sockel des Hauses neu aufgebaut werden.
Materialprobleme, Termindruck und eine wichtige Förderung
Zwischenzeitlich geriet das Projekt an der Fassade auch wirklich ins Stocken: Das dringend benötigte Material – insbesondere der Lehm-Mörtel – kam verspätet, was die Arbeiten zurückwarf. Da zudem
Fördermittel gebunden waren, stand das Team unter erheblichem Zeitdruck.
Rechtzeitig fertig – zum Glück für das historische Gebäude.
Dass die Arbeiten rechtzeitig abgeschlossen werden konnten, ist für die Vorstände eine Erleichterung. „Mit unbeständigem Wetter oder gar Dauerregen wäre das eine Katastrophe geworden“, betonen
sie. Nun kann das Wasser ablaufen, statt gegen das Haus zu drücken. Zwar wurden einige Gefache auf der Rückseite zunächst nur provisorisch mit Platten verschlossen, doch der Grundschutz des
Gebäudes ist nun gesichert.
Wie geht es weiter?
Als nächstes steht die Sanierung der Rückfassade an. Material und Know-how sind vorhanden – was fehlt ist, wie so oft, Geld. Simon-Hallensleben betont: „Ohne Dagmar wäre vieles hier nicht möglich
gewesen. Und es war unglaublich viel Frauenpower im Einsatz". Unterstützt wurde die Baustelle auch von Bürgerinnen und Bürgern, die gar nicht zur Genossenschaft gehören.
Die Sanierung wurde zu 40 Prozent der Nettokosten über das Dorfentwicklungsprogramm gefördert. So konnten rund 6.000 Euro Fördergelder abgerufen werden. Wegen der Sanierung konnten dieses Jahr
leider nicht die beliebten "Schummerstunden" im Genossenschaftshaus organisiert werden.
Umso mehr richtet sich der Blick der Genossenschaft jetzt auf das nächste Gemeinschaftsprojekt in Bad Grund – den weihnachtlichen Begegnungsmarkt in Kooperation mit der ZukunftsBergstadt in der kommenden Woche.
Weihnachtlicher Wegegnungsmarkt
Das Programm des Weihnachtlichen Begegnungsmarktes in Bad Grund am Freitag, 19. Dezember von 17 bis 22 Uhr: Das Waldhorntrio sorgt mit stimmungsvoller Weihnachtsmusik für den perfekten Start in
den Abend. Zum kulinarischen Angebot gehören Glühwein (rot und weiß), Kinderpunsch, Kaltgetränke. Vor dem Zierwerk: Wein, Sekt, Wintercocktail oder Grog. Außerdem gibt es Crepes und
Champignonpfanne, Bratwurst, Pommes, Quiche, Schmalzbrote und Gulasch. Gerne werden auch mitgebrachte Tassen gefüllt.
Text: Herma Niemann





